Fall für zwei

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Smart Fortwo Erlkönig
Tataaa! Ein Lebenszeichen von Smart: Daimler bringt zum Jahresende die dritte Generation. Kann der Winzling dann endlich durchstarten? Wir haben smarter Weise im Prototyp schon mal vorgefühlt.
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Im Hause Daimler gibt es zahllose Erfolgsgeschichten. Die von Smart gehört nicht dazu. Bisher. Die Idee von einer urbanen Mobilität der Zukunft, einst gemeinsam von Daimler und Swatch-Gründer Nicolas Hayek ersonnen, wurde trotz wiederkehrender Teilerfolge bislang zum Rohrkrepierer.

Anfang der 1980er Jahre als Idee geboren, investierte Daimler Milliarden, um die Stückzahlen - einst mal mit 250.000, 350.000 und mehr pro Jahr kalkuliert - explodieren zu lassen. Doch die blieben trotz des großen Engagements und der US-Landnahme durch die Generation zwei weit hinter den Erwartungen zurück. Aus dem Smart-Single wurde im Laufe der Jahre erst eine kleine Familie und dann doch wieder ein einsamer Single - immerhin auf Wunsch auch als offene Targa-Version. Das reichte für 100.000 verkaufte Fortwo-Modelle per anno. Viele der zugelassenen Modelle, unterwegs bei Carsharing-Firmen, Pflegediensten und Autovermietern, spülen jedoch zu wenig Geld in die Kassen des Daimler-Konzerns.

Wenn Smart-Chefin Annette Winkler Mitte Juli bei der Weltpremiere in Berlin erstmals das Tuch vom runderneuerten Smart zieht, soll ein neues Zeitalter anbrechen. Die Chancen stehen erstmals seit der Premiere Ende der 90er Jahre nicht schlecht. Denn der Zweisitzer hat sich seine Stärken bewahrt und die meisten Schwächen ausgemerzt - abgesehen vom Preis. Viele empfinden den Smart Fortwo zwar als pfiffig für die City; aber zu teuer im Vergleich zu Autos, die mehr Einsatzmöglichkeiten im Alltag bieten.

Das Problem wird bleiben, denn real dürfte es für das Einstiegsmodell kaum nennenswert unter 12.000 Euro losgehen. Doch härter wird es beim Smart Forfour, der selbst für 13.000 Euro kein Schnäppchen wäre.

Erstmals wurde die Smart-Generation nicht im Alleingang entwickelt, da das Geschäftsmodell so schlicht nicht aufgegangen wäre. Lange wurde gesucht und schließlich sprang Daimler mangels besserer Alternativen mit Renault ins Bett. In vier Jahren wurden auf gleicher technischer Basis gemeinsam ein Smart Forfour und der eng verwandte Renault Twingo entwickelt.

Der knapp 2,70 Meter lange Ableger des Smart Fortwo bleibt hingegen ein Solitär, der auch weiterhin ausschließlich in Hambach produziert wird. Der große Bruder Forfour kommt ebenso wie der Twingo aus dem Renault-Werk Novo Mesto. "Mit einer Länge von 3,50 Metern ist er kürzer als ein Fiat 500", sagt Annette Winkler.


Im Innern lässt es sich nun deutlich bequemer sitzen als bisher. Nichts mehr mit Einhaken und Kurvenschunkeln
Das smarte Doppelpack wird von einem Dreizylinder im Heck angetrieben, der knapp ein Liter Hubraum mitbringt. "Zunächst wird es zwei Leistungsstufen mit 52 kW und 65 kW geben", kündigt Entwicklungsleiter Markus Riedel an. Die Brabus-Version mit deutlich über 100 PS ist ebenso fest eingeplant wie die Möglichkeit eines besonders günstigen Basismodells mit wohl um die 60 PS.

Vorbei ist es auch mit den ruckelnden Schütteleien beim Schaltvorgang, die das ruckartige Vor und Zurück des Kopfes zum Erkennungszeichen von Smartfahrern der ersten Generation machte und auch bei Generation zwei für Ärgernisse sorgten. "Es wird den Smart mit einer Handschaltung und einem Doppelkupplungsgetriebe geben", verspricht Riedel: "Wir befinden uns in der finalen Phase der Abstimmungen gerade von der neuen Kombination aus Turbomotor und Doppelkupplung."

Renault hatte nicht nur bei der aufwendigen zweiten Getriebevariante lange gemeckert und plante, Entwicklung und Produktion gleichermaßen schmal und günstig halten. Daimler wollte hingegen selbst bei seinem Konzerneinsteiger dem Hightech-Anspruch gerecht werden und bestand auf Doppelkupplung und ein stämmiges Paket an Fahrerassistenzsystemen von City-Notstopp über Spurhalten und Einparkautomatik. Sogar eine Rückfahrkamera und Parksensoren sind mit Marktstart Ende 2014 zu ordern.

Doch es sind nicht allein technische Raffinessen, die den Smart begehrenswerter machen sollen. Neben einem gewinnenden Äußeren wurden Platzangebot und Fahrgefühl durch ein zehn Zentimeter breiteres Fahrzeug und eine fast 20 Zentimeter breitere Spur alltagstauglicher gemacht. Angenehm: Im Innern lässt es sich nun deutlich bequemer sitzen als bisher. Nichts mehr mit Einhaken und Kurvenschunkeln. Geblieben sind die Tridion-Sicherheitszelle und der winzige Laderaum hinter einer zweiteiligen Heckklappe. Hinter den Tarnmatten des verklebten Prototypen sind Schalter und Lenkstockhebel aus dem Renault-Konzernregal zu erkennen. Der ehemalige Renault-Schlüssel trägt auf seiner Rückseite ein Smart-Emblem.

Deutlich zugelegt hat der Smart Fortwo nicht nur bei Platzangebot und Fahrverhalten, sondern vor allem auch bei seiner Wendigkeit. "Der Wendekreis liegt bei 6,95 Metern. Das ermöglicht allein der Heckmotor", sagt Annette Winkler. Der Viertürer packt die volle Drehung in 8.65 Metern. Das schafft nicht einmal das aktuelle Modell des Fortwo.

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