Die Schlitten des Eugene W.

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Reportage: Winfield Tuning
Die kalifornische Tuning-Ikone Gene Winfield hat viele skurrile Autos entworfen. Einige schafften es gar auf die Leinwand. Im Alter von 87 schraubt die Pimp-My-Ride-Legende immer noch täglich.
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Irgendwie waren die Achtziger schon cool. Neonfarbene Leggings, Dauerwellen und die "Neue Deutsche Welle". Filme wie "Conan", "Robocop" oder der sinister-futuristische "Blade Runner" begeistern heute noch die Retro-Fans. Doch nicht nur Helden wie Peter Weller (Robocop) oder Rudger Hauer und Harrison Ford in "Blade Runner" gaben dem Geschehen auf der Leinwand einen besonderen Touch. Da waren auch die Autos. Einfach abgefahrene Karren. Für die lässigsten war der kalifornische Designer Robert Eugene Winfield, kurz Gene, verantwortlich.

In "Robocop" etwa taucht ein "76er Oldsmobile Cutlass Supreme" als Polizeiwagen "6000 SUX" auf. Die Mutation des Oldsmobile zu einem futuristischen Verbrechensjäger gelang dem Tuner durch umfangreiche Änderungen und Anbauten an die Karosserie. Die Schnauze mit dem rüsselartigen Ansaugstutzen war besonders auffällig. Drei Stück baute Gene für den Kassenschlager, zwei davon wurden während der Dreharbeiten in die Luft gejagt. Bei "Blade Runner" sind es die sogenannten "Spinner", die er zusammen mit Syd Mead, einem anderen Design-Guru, entwarf.

Auch im TV waren Gene Winfields Kreationen zu sehen. In der Kultserie "Star Trek" legte er 1967 an das Shuttle "Galileo" Hand an. Captain Kirk fuhr auch mal selbst Auto. Wieder mit Genes Hilfe. Der "Reactor", entstand aus seinem Citroën DS Baujahr 1956 und hatte einen Chevrolet Motor. In der Serie hieß das golden-giftgrün schimmernde dreirädrige Vehikel "Jupiter 8" und war in der Folge "Brot und Spiele" zu sehen. Das gleiche Auto legte auch in der Kult-Trash-Serie "Batman" als der "Kitty Car" einen beeindruckenden Auftritt hin. Gefahren wurde das Fahrzeug von keiner Geringeren als "Catwoman" Eartha Kitt.

Eine ziemlich steile Karriere für einen Mann, der zunächst in dem kalifornischen Provinznest Modesto seine Autos zusammenschraubte. Erst mit seinen Brüdern und dann alleine. Doch die Anfänge während des Zweiten Weltkriegs waren alles andere als glamourös. Gene und seine Verwandten werkelten in einer umgebauten Tankstelle. "Mein erstes Auto habe ich im Freien lackiert", erzählt der Tuning-Veteran.


Der tatkräftige Tuner ist nach wie vor der Fixstern der amerikanischen Hotrod-Szene
Seine erste eigene Werkstatt 1946 war der Hühnerstall seiner Mutter in Modesto Kalifornien. Später baute er sich seinen eigenen Tuning-Shop, der mitten in der Mojave Wüste zwischen Los Angeles und Las Vegas liegt. Von außen sieht das Mekka des klassischen Tunings ziemlich unspektakulär aus, eher wie ein Schrottplatz, der von einem Stacheldrahtzaun umgeben ist.

Die Szenerie hat etwas von einem kreativen Chaos. Auf dem Hof stehen Klassiker aus den 50er und 60er Jahren: Buicks, Chevys und Cadillacs bleichen in der heißen Wüstensonne. Bei manchen fehlt die Frontschutzscheibe, andere sind nur noch ein Gerippe. Eigentlich ein Anblick, der jedem Oldtimer-Fan das Herz bluten lässt. Doch für Gene Winfield ist die Ansammlung automobiler Tradition seine "Schatztruhe".

Sein Markenzeichen sind Lilatöne. Deswegen lautet sein Spitzname in der Szene auch "Lila-König". Heute, im Alter von 87 Jahren sprüht, spachelt und schraubt der Tuning-Autodidakt zusammen mit seinen zwei Mitarbeitern immer noch fast jeden Tag an den Fahrzeugen. Verchromte Kotflügel gehören dabei ebenso zum Repertoire, wie breitere Schweller und frisierte Motoren.

Sein Tuning-Universum dreht sich um Eugene Winfield. Er ist trotz seines fortgeschrittenen Alters die treibende Kraft seines Unternehmens. Ohne ihn wäre die etwas skurrile Tuning Werkstatt in der Mitte von Nirgendwo kaum vorstellbar. Momentan peppt er vor allem Ford Mercurys wieder auf. Das rundliche Automobil mit dem breiten Mund eignet sich perfekt zum Tunen a la Gene Winfield.

Der tatkräftige Tuner ist nach wie vor der Fixstern der amerikanischen Hotrod-Szene. Schwerreiche Amerikaner kommen in die Mojave-Wüste und lassen sich ihre Preziosen aufmotzen. John Wright ein wohlhabender Autonarr aus Santa Barbara, der sein Geld mit IT gemacht hat, lässt gherade seinen Chevrolet Bel Air, Baujahr 1955 veredeln. Der Vertreter der berühmten Chevrolet "Tri-Five", bestehend aus dem Chevrolet Bel Air 150 und 210 sowie dem Chevrolet Nomad, ist an seinen außen liegenden Blinkern zu erkennen. Ein echter Klassiker, der dank der Kunst Gene Winfields zu einem einzigartigen Kunstwerk mutiert ist. Das Dach ist verchromt und das Auto erstrahlt in einem kirschroten Lack, der an den verbreiterten Radläufen ins Lila verläuft. Klar, wir reden hier ja auch von einem Gene-Winfield-Auto.

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