Spaß in den Backen

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Praxistest: BMW M 235i Performance
Kein BMW war in den vergangenen Jahren mehr BMW als das M 235i Coupé. Wer noch mehr will, der ordert die Performance-Version. Und wer ganz besonders viel will, sehnt sich den M2 herbei.
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Der BMW M 235i, zunächst nur als Coupé im Bayern-Programm, ist trotz der grandiosen Auftritte seiner stärkeren Brüder M3/M4 oder M6 Gran Coupé wohl der Münchner, der die Firmengene aktuell am bessten widerspiegelt. Motor vorn, Antrieb hinten, Leistung satt und mächtig Spaß in den Backen. Das war früher der 2002 tii - und das ist heute der M 235i. Der 235er ist ein Fahrerauto, irgendwo zwischen Serienfahrzeug und Sportabteilung angesiedelt.

Allenfalls einen Vorwurf kann man ihm machen: dass sein Auftritt allzu dezent ist. Denn für eine Sportskanone trägt der Zweitürer ein dezentes Kleid. Wer will, kann mit dem modulartig aufgebauten Performance Paket nachschärfen - optisch wie technisch. Dessen Alcantara-Lenkrad könnte auch aus einem der VLN-Renner stammen, der über die Nordschleife donnert. Sieht gut aus - fasst sich spektakulär an. Die wohl konturierten Stühle passen nicht schlechter. Guter Seitenhalt, perfekte Oberschenkelauflage - so lässt es sich reisen. Auch auf längeren Strecken, da sich auch das Geräuschniveau zurückhält.

Doch der BMW M 235i ist mehr als ein fahrender Knallkörper, der Kurven gerne auch einmal im leichten Drift durchfliegt. Doch das kann er - zugegeben - am besten. Das üppige Gewicht von 1.545 Kilogramm bestens austariert, findet er gerade mit eingeschalteten Sportprogrammen seine perfekte Bahn. Der Fahrer dreht die Gänge selbst mit der souveränen Achtgangsportautomatik bis 7.200 Touren, ehe er den Sechszylinder durchatmen lässt. Zugkraftunterbrechungen? Keine Spur!

So war, ist und sollte BMW sein. Kein Fronttriebler, endlich einmal kein vernunftsoptimiertes Downsizing mit winseligem Dreizylinder, dem mit Hightech aus dem Entwicklungszentrum Superman-Kräfte abgerungen werden. Gut, auch der drei Liter große Reihensechszylinder des 235ers wird mittlerweile zwangsbeatmet, um 326 Pferde, 450 Nm zwischen 1.300 und 4.500 U/min und Tempo 250 aus ihm heraus zu pusten. Doch er bleibt ein ehrlicher Sportler, eine Fahrspaßwonne-Maschine, die nicht nur in dieser Klasse ihresgleichen sucht. Der Normverbrauch: 7,6 Liter. Daraus werden schnell zehn und mehr. Zu viel - aber nur für den kleinen 52-Liter-Tank.

Von 0 auf Tempo 100 in 4,8 Sekunden und eine auf Wunsch perfekt arbeitende Achtgangautomatik liegen im erwarteten Rahmen. Die abgeregelten 250 km/h ebenso. Doch so beeindruckend der 235er auch über die Autobahn donnert und kurz danach im Citybetrieb lässig cruist - nichts gegen die bayrische Vorstellung auf gewundenen Eifelstraße. Der Fahrer wird zum Pilot, der Landstraße zur Rennstrecke und das Adrenalin steigt. Nordschleife? Auf jeden Fall im Hinterkopf.

Das griffige Alcantara-Lenkrad in getrockneten Händen einen spüren, was es heißt, einen orangefarbenen 2002 tii der Neuzeit zu bewegen, der leider etwas zu viel Gewicht auf den Rippen hat. Und wer jetzt an das spektakuläre BMW 1er M Coupé mit 360 PS, Handschaltung und dicken Karosseriebacken zurückdenkt, der darf vor dem Einschlafen gleich von vom BMW M2 träumen. Der wird mit breiterer Spur, echten M-Genen und knapp 400 PS noch mehr begeistern.

Für 43.750 Euro ist von einem Premiumhersteller aus der erste Reihe kaum mehr Fahrspaß zu bekommen. Selbst, wer in der endlosen Liste der bayrischen Sonderausstattungen wühlt, gibt kaum mehr als 50.000 Euro aus, falls er auf das Performance Paket verzichtet. Auch so läßt sich der Preis mit Aerodynamikpaket (ab 1500 Euro), sinnfreien Folien, Auspuffanlage, Innenraumdetails (Lenkrad, Schalthebel, Handbremshebel, Interieurleisten, etc.) für insgesamt rund 3.000 Euro und dem Sperrdifferenzial (2.500 Euro) nach oben bringen. Nicht drum herum kommt man jedoch um das Navigationssystem und die optisch wie technisch sinnvollen 19-Zöller. Die serienmäßigen 225/40 ZR 18 vorne und 245/35 ZR 18 hinten sind für eine Sportskanone wie den M 235i etwas zu wenig des Guten.

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