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Mercedes CLA 250 4matic
Sein Design polarisiert. Doch auf einigen Märkten ist der CLA die günstigste Option, einen Mercedes zu fahren. Hierzulande ist der kleine Bruder des eleganten CLS mehr der große Bruder der A-Klasse.
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Viele fragen sich, wieso Mercedes neben der erfolgreichen C-Klasse auf der Frontantriebsplattform noch ein ähnliches Modell im bereits prall gefüllten Produktangebot platziert hat - nur ein paar Zentimeter kleiner. Doch was in Deutschland bisweilen für Kopfschütteln sorgt, wird anderswo völlig anders gesehen.

Bestes Beispiel sind die USA. Dort ist die A-Klasse überhaupt nicht auf dem Markt. Gleiches gilt für die B-Klasse. So hatte der Kunde lange nur die Wahl zwischen dem ebenso schnuckeligen wie in die Jahre gekommenen Smart Fortwo und der nun deutlich nach oben gerutschten Mercedes C-Klasse. Um ein schlagkräftiges Modell vor allem gegen die asiatische Konkurrenz zu haben, die in den USA mit Discountpreisen erfolgreich auf Kundenfang geht, kommt der CLA daher gerade Recht.

Der Einstiegspreis von 29.900 US-Dollar (rund 22.000 Euro) für den 211 PS starken Mercedes CLA 250 lässt viele Kunden aufmerksam werden. In Deutschland geht es für die identisch motorisierte Limousine, die Mercedes als Abgrenzung gerne als viertüriges Coupé verkaufen möchte, erst bei strammen 39.151 Euro los. Das ist ein Preisunterschied von über 17.000 Euro - ohne nennenswerte Unterschiede am Modell selbst.

In den USA müssen nämlich auch die deutschen Premiummarken günstiger preisen, um gegen die Konkurrenz zu bestehen. Da ist ein CLA 250 das beste Beispiel für den harten Preiskampf - und dessen Doppelrolle. Schließlich muss der Mercedes CLA, der in den USA nur als 250er und 45 AMG erhältlich ist, auch die Kunden aus dem Kompaktklassesegment abholen.


Genau diese Autos sind es, die einer Marke einen eigenständigen Charakter geben
Der Mercedes-Benz CLA ist nichts für jemanden, der häufig Passagiere in der zweiten Reihe transportiert, denn dort ist die Atmosphäre durch das aerodynamisch eingezogene Dach düster und der Kopfraum allenfalls Personen bis 1,70 Metern zumutbar. Immerhin gibt der Kofferraum mit einem Volumen von 470 Litern viele Möglichkeiten für Einkauf, Reise und Freizeit. Doch eines ist klar: Wer häufig zu dritt oder gar viert unterwegs ist, sollte sich den Crossover-Bruder GLA oder gleich die deutlich opulentere C-Klasse gönnen. Oder auf den CLA Shooting Brake warten, der 2015 folgt.

Was an dem 4,63 Meter langen Mercedes ebenso wie an der A-Klasse gefällt: Er polarisiert bewusst. Der CLA ist mit seiner selbstbewussten Front, der dreidimensionalen Flanke und dem hängenden Hinterteil niemand, der jedem gefallen will. Sein Cockpit könnte auch in einem Sportwagen verbaut sein und die großen Lüftungsdüsen erinnern an einen Luxussportler. Das Platzangebot ist vorn überschaubar und der Nutzen der Pilotensitze mit integrierten Kopfstützen erschließen sich Familienvätern mit Sinn für das praktische wohl ebenso wenig, wie die nicht ganz ausreichenden Verstellmöglichkeiten.

Doch genau diese Autos sind es, die einer Marke einen Charakter geben. Dabei hätte Mercedes-Benz gerne eine bessere Lösung für den mittig auf dem Armaturenbrett positionierten Navigationsbildschirm finden können. Der sieht aus wie aus dem Zubehörhandel und die Bedienung über den Dreh-Drück-Steller zwischen den Sitzen liegt nicht auf dem gleichen Niveau wie bei der Hauptkonkurrenz von Audi und BMW.

Gefallen kann hingegen der Antrieb des Mercedes-Benz CLA 250 4matic. Der zwei Liter große Vierzylinder mit Turboaufladung ist mit 155 kW/211 PS und 350 Nm maximalem Drehmoment zwischen niedrigen 1.200 und 4.000 U/min gerade unter Last zwar keine Leisetreter. Er treibt den 1,5 Tonnen schweren Schwaben betont niedertourig jedoch allemal dynamisch an.


Die Fahrleistungen des CLA 250 4matic dürften die meisten Ansprüche zufrieden stellen
Nicht nur für die kalten Monate des Jahres ist die optionale Kombination mit dem Allradantrieb eine gute Wahl. Verlieren die vorderen Räder bei Nässe, Glätte oder schlechter Fahrbahn die Fassung, wird die überschüssige Motorleistung bis zu 50 Prozent an die Hinterachse gebracht. Weniger ideal präsentiert sich das Doppelkupplungsgetriebe mit seinen sieben Fahrstufen, das - im Automatikmodus um übertriebene Kraftstoffersparnis bemüht - immer wieder einen sinnvollen Gangwechsel verwehrt und besonders bei sehr langsamen Geschwindigkeiten in der Stadt Komfortwünsche offen lässt.

Die Fahrleistungen des CLA 250 4matic dürften die meisten Ansprüche zufrieden stellen. Jedoch erhöht sich durch den optionalen Allradantrieb nicht nur der Preis von 39.151 auf 41.352 Euro. Auch der Verbrauch schnellt überraschend stramm in die Höhe. Statt der 5,4 Liter des Fronttrieblers gibt Daimler für den Allradler 6,4 Liter pro 100 Kilometer an. In der Realität ließ sich die Limousine mit 8,3 Liter Super fahren. Für den Spurt von 0 auf Tempo 100 vergehen 6,6 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 240 km/h. Etwas nervig: eine spürbare Anfahrschwäche bevor es dann kraftvoll losgeht.

Das stramm, aber nicht unkomfortabel abgestimmte Fahrwerk lässt sich zwar nicht variabel einstellen, bietet jedoch einen guten Kompromiss aus dynamischem Potenzial und Komfort. Sehr angenehm dabei: die präzise Lenkung mit einer guten Rückmeldung von der Fahrbahn. Da zeigt der CLA, dass er keine langweilige Limousine von der Stange ist.

Das hat seinen Preis. Mit Navigation, Xenonlicht, einer Handvoll Assistenzsysteme und weiteren Annehmlichkeiten ist die die 50.000-Euro-Marke schnell durchbrochen. Nicht vergessen: In den USA geht es umgerechnet schon bei rund 22.000 Euro los.

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