Kein Leisetreter

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Kein Leisetreter
Nach dem V8-Power-Bolzen bestückt Jaguar das schmucke Cabrio F-Type nun auch mit dem etwas bodenständigeren 340-PS-V6-Motor. Geht mit der Reduktion der Pferde auch der Spaß verloren?
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Gleich mal vorneweg: Der Jaguar F-Type ist nichts für scheue Naturen, die lieber im Schatten laufen. Vor allem dann nicht, wenn man die Auspuffklappe öffnet. Dann macht der V6-Motor einen Rabatz, wie ein Supersportwagen mit doppelt so vielen Pferdestärken. Dann bollert das Kompressor-Triebwerk, grummelt tatendurstig vor sich hin und schmettert, sobald man per Pedaldruck das Signal gibt, voller Inbrunst, wie ein Wagner-Tenor bei einer Parsifal-Arie. Selbst mit deaktivierter Auspuff-Klappe ist der Jaguar F-Type alles andere als ein Leisetreter, kommt aber akustisch deutlich ziviler daher.

Dabei hätte es der schicke Roadster gar nicht nötig, der Umwelt derart eine auf die Ohren zu geben. Die polarweiße Raubkatze mit den schnittigen Formen, der langen roadstertypischen Schnauze mit den Haifischkiemen, den senkrechten Streben im Kühlergrill und den schmalen Rückleuchten, die oberhalb eines Doppelauspuffrohres sitzen, sorgt in München für mehr drehende Hälse als die üblichen Porsches und BMWs.

Dynamisch macht der F-Type ebenfalls eine gute Figur. Die 340 PS reichen aus, um engagiert unterwegs zu sein: Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 260 elektronisch begrenzt und mit einer Sprintzeit von 5,3 Sekunden von null auf 100 km/h ist man sicher keine rollende Schikane. Allerdings liegt der Durchschnittsverbrauch mit 14,4 l/100km deutlich über den angegebenen neun Litern.

Doch ein Roadster ist per se nicht für das Tempo-Bolzen gemacht. Der Kurventanz ist sein Ding. Den bewältigt die Raubkatze trotz des Gewichts von 1.597 Kilogramm ziemlich agil. Das leichtfüßige Heck ist aber auch recht giftig und keilt schon bei mittelprächtigem Gas-Einsatz aus, kann aber mit schnellen Lenkeingriffen oder durch das ESP wieder eingefangen werden. Allerdings sollte man unbedingt den Fahrdynamikschalter auf Sport stellen. Dann nimmt das Gaspedal die Befehle schneller an und die Gänge werden höher ausgedreht.


Der Innenraum mit den Rundinstrumenten ist der Wohlfühlatmosphäre zuträglich
Die Achtgang-ZF-Automatik macht den gewohnt guten Job. Doch wer ambitioniert unterwegs sein will, der nimmt sein Glück mit den Schaltwippen in die eigene Hand. Im Sportmodus ist auch die Lenkung sehr direkt und der F-Type lässt sich messerscharf um die Kurve zirkeln. Ein Verdienst der verwindungssteifen Alu-Karosserie. Allerdings fühlt sich die Steuerung selbst dann noch synthetisch an und lässt es an Rückmeldung fehlen. In den beiden anderen Fahreinstellungen - normal und Schnee/Regen - verstärken sich diese Symptome.

Die Ledersportsitze sind genauso gemütlich, wie sie aussehen, haben verstellbare Wangen und sorgen für genug Seitenhalt. Wenn die Lenkradsäule noch einen Schuss länger wäre, wäre die Sitzposition absolut perfekt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Der Innenraum mit den Rundinstrumenten ist der Wohlfühlatmosphäre zuträglich. Lässiges Detail: Die mittleren Belüftungshutzen fahren automatisch hoch, sobald die Zündung aktiviert ist. Die Schalter sind übersichtlich angeordnet. Die Menüführung erscheint zunächst etwas verspielt: So ist nicht auf den ersten Blick klar, wie man die Routenkriterien beim Navi definiert. Doch nach einer kurzen Einarbeitungszeit kommt man auch damit gut klar. Die graphische Darstellung im Navi-Bildschirm wirkt ein wenig angestaubt, dafür ist die Pfeil-Anzeige zwischen Tacho und Drehzahlmesser umso schicker.

Die Verwandlung zum Oben-Ohne-Künstler geht ruckzuck innerhalb von zwölf Sekunden. Allerdings wird es unter der Stoffmütze bei höheren Geschwindigkeiten doch ziemlich laut. Hier würde eine weitere Akustik-Lage sicher helfen. Dass der Kofferraum verwinkelt und mit einem Fassungsvermögen von 196 Litern nicht unbedingt für einen Familienumzug geeignet ist, ist bei Roadstern nichts Außergewöhnliches. Und ansehnlichen Vertretern der Zunft sieht man eh einiges nach. Schön ist der F-Type und Spaß macht er obendrein. Allerdings ist das Vergnügen mit mindestens 73.400 Euro nicht ganz billig.

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