Wolke Sieben

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RR Silver Cloud I Drophead
Eine Fahrt im Rolls-Royce Silver Cloud I aus dem Jahre 1957 bleibt auf ewig unvergessen. Erst recht, wenn man im Fond Platz nimmt. Also: Schuhe aus, zur Sonne hin ausrichten und Beine hochlegen.
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Mit Rolls-Royce verbinden die meisten Menschen Luxus. Den puren, für nahezu jeden unbezahlbaren Luxus. Doch was ist eigentlich mit Luxus gemeint? Das Offensichtlichste liegt wie selbstverständlich auf der Hand: der Fahrzeugpreis. Autos, für deren Preise jeder auch ein Einfamilienhaus erstehen könnte, fallen in die Kategorie Luxus. Und auch, dass so gut wie alles bei einem Rolls-Royce individualisiert werden kann - und natürlich auch bezahlt werden muss -, ist Luxus.

Was macht man mit so einem Auto? Man genießt es. Und das nicht erst seit heute. Der wahre Luxus eines Rolls-Royce eröffnet sich erst beim Fahren. Ob das Auto mit der berühmtesten Kühlerfigur der Welt, der Spirit of Ecstasy, dabei aus diesem Jahrtausend stammt oder dem vergangenen, ist völlig unerheblich. Erst recht, wenn man wie beim Rolls-Royce Silver Cloud I Drophead Coupe mit einer Karosserie der Firma H. J. Mulliner und Co. aus dem Jahre 1957, auf dem beliebteste Sitz platznehmen darf - der breiten Couch im Fond.

Bevor der Fahrer in dem letzten Reihensechszylindermotor der Marke Rolls-Royce die 4.887 Kubikzentimeter großen Brennkammern fluten läßt, muss allerdings erst einmal das Zündschloss entdeckt werden. In der Mitte des Cockpits, also links vom rechts positionierten Lenkrad - gefunden. Ein leichter Dreh mit dem unscheinbar wirkenden Schlüssel erweckt den blubbernden Herzschlag des in Wedgewood Blue lackierten Cabrios. Zum luxuriösen Dahingleiten gehört das sanft die Gänge wechselnde Automatikgetriebe in diesem damals knapp 60.000 DM und heute 300.000 Euro teuren Oldtimer.

Wer sich in dem 155 PS starken und bis zu 170 km/h schnellen Luxus-Cabrio chauffieren lässt, der erfährt am eigenen Leib, was den Mythos Rolls-Royce seit je am Leben hält. Trotz 1,7 Tonnen Gewicht trägt es seinen Passagier auf der mit hellgrauem Leder bezogenen Couch im Fond wie auf einer Wolke. Dass im Jahr seiner Schöpfung an Sicherheitsgurten allenfalls geforscht wurde, macht nichts: Schuhe aus, zur Sonne hin ausrichten und Beine hochlegen. Mit Gurten wäre das kaum möglich.


Das Schöne an der Fahrt in einem echten Mythos muss nicht nur die eigene Freude daran sein
Der Chauffeur selbst scheint selbst auf einer kerzengeraden Strecke mit zunehmendem Tempo mehr und mehr am Lenkrad arbeiten zu müssen. Nach einem Platzwechsel später wird deutlich, warum das so ist: Wie in uralten Hollywoodstreifen verlangt die Lenkung dem Fahrer des 5,40 Meter langen und 1,90 Meter breiten Rolls-Royce ununterbrochen Richtungskorrekturen ab. Bei der Arbeit an dem zwar griffigen, doch im Vergleich zu heutigen Standards sehr dünnen Lenkrad, wächst das Verständnis für die allseits belächelten und spießigen Autofahrerhandschuhe von Kilometer zu Kilometer.

Wer jetzt glaubt, dass eine labbrige Lenkung, fehlende Sicherheitsgurte und eine ganze Menge Jahre auf dem Buckel den Fahrer des Rolls-Royce daran hindern können, ihm die Sporen zu geben, der irrt gewaltig. Selbst Neuwagenfahrer wundern sich, wenn in Serpentinenpassagen bergauf immer wieder ein altes Schätzchen formatfüllend im Rückspiegel auftaucht.

Per Automatik-Lenkstockhebel den zweiten Gang einlegen - und die blaue Wolke beginnt das Fliegen. Einzig auf den Bergabpassagen muss man sich deutlich mehr in Zurückhaltung üben als während des Gipfelsturms. Am Hinterrad sind kombinierte hydraulische und mechanische Bremsen mit getriebegesteuerter Servounterstützung, die mit den aktuellen Bremsanlagen bei weitem nicht mithalten können.

Das Schöne an der Fahrt in einem echten Mythos muss aber nicht nur die eigene Freude sein. Fast jeder Verkehrsteilnehmer dreht sich nach dem stählernen Sonderling um, reckt seine Daumen nach oben oder ruft im Vorbeifahren ein paar Komplimente. Kein Wunder: Denn die Chance, jemals wieder auf ein echtes Rolls-Royce Silver Cloud I Drophead Coupé mit Mulliner-Karosserie zu treffen ist bei lediglich 22 gebauten Exemplaren verschwindend gering.

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