Lässige Sportlichkeit

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Fahrbericht: Mercedes S 63 AMG Coupé
Als ob das S-Klasse Coupé nicht bereits als 500er genug Dampf hätte. Ohne langes Zaudern, legen die Schwaben das Doppelpack 63/65 AMG nach. Das bessere Paket bietet der Achtzylinder.
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Nur acht Töpfe? In der Liga der sportlich noblen Gentlemen geht bisher nichts über zwölf Zylinder. Und die gibt es bei kaum einem anderen Hersteller in einer derart inflationären Weise wie bei Mercedes. Die Luxusschwaben bieten das Sechs-Liter-V12-Aggregat aktuell in vier Modellen an. Neben S-Klasse und S-Klasse Coupé säuselt der Zwölfender samtweich im elitären Roadster SL und in der urwüchsigen G-Klasse.

Doch es geht noch weiter: In und um Stuttgart herum drehen seit Monaten S-Klasse Coupés mit heiseren Dieselmotoren ihre Testrunden. Nachdem Konkurrent BMW von seiner Sechser-Reihe mit dem 313 PS starken Power-Diesel nennenswerte Stückzahlen als Coupé, Cabrio und Gran Coupé verkauft, wird auch bei der zweitürigen S-Klasse eine Dieselvariante folgen.

Da das aktuelle Selbstzündertriebwerk im S 350 Bluetec mit seinen drei Liter Hubraum und 190 kW/258 PS jedoch der Konkurrenz zwar drehmomentstark, aber leistungsschwach hinterherfährt, warten die Schwaben darauf, dass der neue Dreiliter-Diesel fertig wird. Mit seiner doppelten Turboaufladung soll er in verschiedenen Leistungsstufen 250, 300 und über 350 PS leisten und die Achtzylinder vergessen machen. Der Diesel-Kraftmeier hält Einzug in große Teile der Modellpalette - unter anderem auch in das europäische S-Klasse Coupé.

Die Krone bei den S-Coupé hat aktuell das AMG-Doppelpack aus dem 585 PS starken S 63 und dem S 65 mit 630 PS auf. Vorteil für den 63er: Er ist auf Wunsch mit Allradantrieb zu bekommen und das macht ihn für rund 5.000 Euro Aufgeld deutlich souveräner fahrbar als es der omnipotente S 65 AMG mit seinen gigantischen 1.000 Nm maximales Drehmoment sein kann, der insbesondere in den Emiraten und den USA auf Kundenfang geht.


Die Abregelung bei Tempo 250 nutzt Daimler nur zu gerne, um den Kunden ein paar tausender für ein Performance Paket aus der Tasche zu ziehen
Doch der 4,7 Liter große Doppelturbo des S 500 bleibt die Idealbesetzung in dem eleganten und zumindest optisch ungewohnt sportlichen Luxuscoupé. Ein echter Sportler kann der zweitürige S 63 AMG 4matic schon wegen seines Gewichts nicht sein - er hat mindestens 200 Kilogramm zu viel auf den Rippen. Mit einem Gewicht von 2.070 Kilogramm ist der Affalterbacher aber immerhin 20 Kilogramm leichter als der 500er. Das bei einem Luxuscoupé nicht selten anzutreffende Übergewicht dürfte die Kunden jedoch kaum stören.

Mit 430 kW/585 PS und bulligen 900 Nm lässt der Allradler in Sachen Vortrieb keinerlei Wünsche offen. Die 3,9 Sekunden, die der doppelt aufgeladene Achtzylinder mit seinen 5,5 Litern Hubraum ermöglicht, sind atemberaubend. Und die Abregelung bei Tempo 250 nutzt Daimler nur zu gerne, um den Kunden ein paar Tausender für ein Performance Paket aus der Tasche zu ziehen. Dann geht es zwar auch noch nicht so schnell wie möglich, aber immerhin lässig über die 300er-Marke. Der Grundpreis verschlägt einem auch abgeregelt den Atem: 170.586 Euro. Das S 65 AMG Coupé kostet als Zwölfzylinder astronomische 74.000 Euro mehr. Macht pro Zylinder einen Aufpreis von knapp 18.500 Euro.

Die Lenkung ist etwas straffer als beim 500er, könnte aber nach wie vor direkter sein. Und auch die Siebengang-Automatik kommt nicht an das Vorzeige-Getriebe aus dem Hause ZF heran, das mit acht Gängen unter anderem BMW, Range Rover oder Audi krönt.


Das Fahrwerk vollbringt im Sekundenrhythmus kleine Wunder, damit das Schwergewicht im Grenzbereich den Sportler mimen kann
Man hat das Gefühl, in einem Hybriden unterwegs zu sein, denn vom Achtzylinder ist im normalen Fahrbetrieb nichts zu hören. Hier ein paar Abroll-, da ein paar Windgeräusche - doch vom Triebwerk? Nichts. Das ändert sich schlagartig mit einem Kick aufs Gas. Dann bollert er los, als sei er durch nichts und niemanden zu stoppen.

Das Tauberfahrwerk mit Kurvenneigefunktion und weiteren technischen Dreingaben vollbringt im Sekundenrhythmus kleine Wunder, damit das Schwergewicht im Grenzbereich den Sportler mimen kann. Komplett lässt sich das Übergewicht aber nicht kaschieren. Doch die Vorstellung ist selbst auf kurvigen Landstraße eindrucksvoll. Das gilt umso mehr durch den Allradantrieb, der dafür sorgt, dass die gigantische Motorleistung nicht auf Asphalt und in Regelsystemen verpufft.

Der Fahrer bekommt davon innen nur wenig mit. Er blickt aus seinen knautschweichen Sesseln mit gutem Seitenhalt und allen nur erdenklichen Verstell- und Klimatisierungsmöglichkeiten auf TFT-Displays und ärgert sich allenfalls am Rande, dass der Bedienkomfort zahlreicher Funktionen via Touchcontroller auf der Mittelkonsole der von Audi und insbesondere BMW hinterherhinkt. Dass sich die Fenster im Fond nur von vorne öffnen lassen? Ebenso ein Schönheitsfehler wie der vergessene Knopf für die Öffnung der elektrischen Heckklappe. Das klappt nur, wenn man dem Coupé mit dem Funkschlüssel in der Hosentasche unter die Heckschürze tritt.

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