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Vor einem halben Jahrhundert hat Abarth den Fiat 500 erstmals zum Rennauto hochgerüstet. Nun liefert Fiats Haustuner zum Gedenken daran die moderne 595er-Version. In limitierter Auflage.
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Er hat, so Abarth heute stolz, "den Motorsport demokratisiert". Vor 50 Jahren stellte Carlo Abarth auf der Turiner Motor Show den Abarth 595 vor. Einen hochgerüsteten Fiat 500 mit 594 ccm Hubraum, anfangs 27 PS und 120 km/h Spitze, der in den Jahren danach so ziemlich allen Konkurrenten davonfahren sollte. Ein giftiger kleiner Kugelblitz unter dem Logo des Skorpions.

Nun, 50 Jahre später baut Abarth zum Geburtstag des legendären Flitzerchens wieder eine 595er Kleinserie, diesmal mit dem aktuellen Fiat 500 als Basis. Der weiße Flitzer "50th Anniversario" mit dem roten Band sei der "kleinste Supercar", freut sich das Abarth-Marketing über sich selbst. Klein ist auch die Auflage: 299 Exemplare sollen gebaut werden, rund 30 davon gehen nach Deutschland. Der Großteil ist für die übrigen Märkte in Europa, Afrika und dem Nahen Osten gedacht - und ein paar für Japan. Die meisten werden ihren Platz in Sammler-Garagen finden - kein Wunder bei einem Stückpreis von 34.595,50 Euro. Das ist mehr als doppelt so viel, wie der stärkste Fiat 500 kostet und immer noch mehr als 10.000 Euro teurer als ein normaler Abarth 595 von der Stange.

Dafür liefert das Abarth Sondermodell allerdings neben einer sportlich edlen Ausstattung auch jede Menge Kraft und Fahrspaß. Der Turbo-Benziner schafft mit seinen 1368 ccm im regulären Fiat 500 1.4 16V auch schon ganz beachtliche 74 kW/100 PS. Im 595 "50th Anniversario " kitzeln die Abarth-Ingenieure üppige 135 kW/180 PS aus dem Motörchen. Das ist soviel wie der 1,6-Liter-Benziner im Ford Fiesta ST leistet. Oder der Cooper S von Mini. Nur, dass die allesamt größer und schwerer ausfallen. Dazu kommt beim Abarth im Sportmodus ein maximales Overboost-Drehmoment von 250 Nm ab 3.000 U/min.. Entsprechend wenig Mühe hat der Abarth auch damit, den 595 auf Touren zu bringen: In 6,9 Sekunden ist der Spurt von 0 auf 100 km/h geschafft, die Höchstgeschwindigkeit gibt Abarth mit 225 km/h an. Der Sound, den Motor und Auspuffanlage liefern, ist dabei von feinsten.

Entsprechend lustvoll lässt er sich auch über die Rennstrecke treiben. Das Gaspedal bis zum Anschlag durchgetreten - schon geht er ab wie vom Skorpion gestochen. Schalten lässt sich schnell und fix über die beiden Paddel am Lenkrad. Störend ist nur, dass sie sich nicht mit dem Lenkeinschlag drehen und so das Schalten in Kurven etwa fummelig ist. Aber ansonsten kann man den Kleinen ruhig fordern - schon erstaunlich, welches Gefühl von Sicherheit er spätestens nach den ersten ein, zwei Runden vermittelt. Die Scheibenbremsen von Brembo (vorne innenbelüftet, mit vier Bremssattelkolben und 305 mm Durchmesser, hinten mit 240 mm Durchmesser) reagieren prompt und bissig - wenn man richtig in die Eisen steigt und die Warnblinkanlage hektisch anfängt zu flackern.


Damit man nicht vergisst, worin man gerade sitzt, fällt überall das Logo mit dem Skorpion ins Auge
Das speziell angepasste KONI-Fahrwerk hält den 595 selbst bei schnellen Kurvenfahrten oder dem Schwänzeln in der Schikane lange stabil in der Spur. Ein bisschen helfen da auch die 17-Zoll-Reifen (205/40) mit. Nur die ansonsten angenehm direkte Lenkung kommt bei dem Tempo nicht immer mit: In engen Kehren verlangt sie dem Fahrer eine ziemliche Kurbelei ab. Wer so um die Ecken tobt, der wird die von Abarth versprochenen 5,4 Liter Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometern allerdings deutlich verfehlen.

Doch abseits der Rennstrecke lässt sich der Abarth 595 "50th Anniversario " durchaus alltagsfreundlich bewegen. Die Automatik, die sich über vier Knöpfe auf der Mittelkonsole bedienen lässt, sorgt für eine gediegene und unaufgeregte Fahrweise. Die roten Leder-Sportsitze bieten nicht nur genügend Seitenhalt für den forschen Kurvenritt, sondern auch genügend Komfort auf längeren Strecken. Sie lassen sich für größer gewachsene Zeitgenossen weit genug nach hinten schieben. Das sehr griffige Lenkrad ist in der Neigung, leider aber nicht in der Tiefe verstellbar.

Auch der 595 ist offiziell als Viersitzer ausgewiesen - real aber kommen wie allenfalls zwei Passagiere gut zurecht. Bei 3,55 Metern Gesamtlänge kann es hinten nur eng sein. Damit man nicht vergisst, worin man gerade sitzt, fällt überall das Logo mit dem Skorpion ins Auge: auf dem Lenkrad und den Kopfstützen, auf dem Bremspedal und unter dem Armaturenbrett zwischen den Vordersitzen. Selbst hinten auf der Laderaumabdeckung. In den Kofferraum passen 185 Liter - nicht gerade viel.

299 Stück und ein Preis, für den es auch schon die mit 211 PS stärkste Mercedes A-Klasse ohne AMG-Logo gibt, machen aus dem Abarth 595 "50th Anniversario" nicht gerade ein massenkompatibles Auto. Aber mit etwas Selbstbeschränkung geht es auch deutlich günstiger. Im Abarth 595 Competitione hat man zwar 20 PS weniger unter dem Motorhäubchen, zahlt dafür aber auch mit 23.600 Euro deutlich weniger. Und hat mit der gleichen Automatik (Aufpreis: 1.300 Euro) nicht wesentlich weniger Spaß.

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